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Pierre Brice – der französische Indianer

Der französische Schauspieler Pierre Brice wurde am 6. Februar 1929 in Brest geboren. Zu internationaler Bekanntheit gelangte er in den 60er-Jahren durch die Darstellung des Winnetou in den Verfilmungen der Western von Karl May. Im Alter von 19 Jahren meldete er sich als Freiwilliger für den Indochinakrieg. Einige Jahre später verdingte er sich als Fallschirmjäger im Algerienkrieg.

Seine Karriere als Schauspieler begann nach Engagements als Fotomodell und Tänzer. Sein introvertiertes Verhalten war jedoch hinderlich, um sich einen Namen in der französischen Schauspielszene machen zu können. Pierre Brice zog es daraufhin ins Ausland- nach Italien und Spanien. Dort spielte er in zumeist weniger bedeutenden Sandalen-, Mantel- und Degenfilmen mit.

1962 entdeckte der Produzent Horst Wendlandt Pierre Brice auf den Berliner Filmfestspielen und bot ihm die Rolle als Apachenhäuptling Winnetou im Western „Der Schatz im Silbersee“ an. Brice hatte Mühe beim Reiten, wurde hier jedoch durch den bekannten Western-Darsteller Lex Barker unterstützt. Brice gefiel seine Rolle aufgrund der wenigen Textpassagen und der meist ernsten Miene nicht wirklich, er prophezeite dem Film keinen großen Erfolg. Der sensationelle Erfolg des Films war für ihn daher am überraschendsten.

In insgesamt elf Karl-May-Filmen verkörperte er von 1962 bis 1968 die Rolle des Winnetou, die ihm zu sehr großer Popularität nicht nur in Deutschland verhalf. In den 60er- und 70er- Jahren erhielt er zwölf Ottos von der Zeitschrift „Bravo“. 1975 spielte Pierre Brice zusammen mit Marcello Mastroianni und Sophia Loren in der italienisch-französischen Komödie „Die Puppe des Gangsters“. Er hatte regelmäßig Auftritte in Pariser Theatern. Seine Fernsehauftritte wurden seltener und waren in Unterhaltungsshows zumeist auf seine Rolle als Winnetou ausgerichtet. Rollenangebote für bedeutende Filme blieben aus.

Durch die Verkörperung des Winnetou auf den Karl-May-Festspielen in Elspe von 1976-1986 glückte Brice ein Comeback in Deutschland. Eine gescheiterte Winnetou-Bühnenshow, die von Brice mitfinanziert wurde, führte ihn in ein finanzielles Fiasko. 1991 spielte er als Winnetou neben Ralf Wolter auf den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg, 1999 führte er Regie. Die ZDF-Produktionen „Winnetous Rückkehr“ Mitte der 90er-Jahre kamen beim Publikum und den Kritikern nicht an. Seine letzte Rolle spielte Pierre Brice 2004 in einer Schweizer Soap. In seiner Heimat Frankreich ist Brice auch heute noch kaum bekannt.